Ausflug zum Bundesrechnungshof in Bonn

Redet man über Sparsamkeit, so fallen vielen Leuten zunächst die vermeintlich geizigen Schotten ein. Oder die als knauserig geltenden Niederländer. Tatsächlich war der Obersparer vor 300 Jahren ein Preuße. Der preußische König legte den Grundstein für den heutigen Bundesrechnungshof.  

 

Es war einmal vor 300 Jahren

Sie meinen, es gibt spannendere Ausflugsziele als den Bundesrechnungshof? Vielleicht irren Sie sich.

Reisen Sie mit mir 300 Jahre zurück. Wir schreiben das Jahr 1713. König Friedrich I. von Preußen ist gerade gestorben und sein Sohn Friedrich Wilhelm I. übernimmt die Regentschaft und wird König von Preußen. Friedrich Wilhelm I. schaut angewidert auf die unkontrollierte Verschwendung und Korruption am preußischen Königshof. Er handelt rasch und führt straffe Sparmaßnahmen und ein umfassendes Staatsfinanzwesen ein. Im Folgejahr  1714 gründet er die Preußische General-Rechenkammer. Dies ist der Beginn einer unabhängigen staatlichen Rechnungsprüfung.

Das war vor 300 Jahren. Seit damals gibt es in Deutschland eine externe Finanzkontrolle. Und jedes Jahr schauen Bundesbehörden und Finanzverwaltungen am Jahresende nervös auf die Prüfberichte und hoffen, dass sie darin nicht vorkommen. Die unabhängige Institution heißt heute Bundesrechnungshof. Sie kontrolliert die staatlichen Ausgaben und soll den wirtschaftlichen und sparsamen Umgang mit öffentlichen Geldern sicherstellen. Bei wichtigen Projekten berät der BRH auch.

Finanzgeschichte zum Anschauen, Anhören, Anfassen

Natürlich gibt es zum 300-jährigen Jubiläum des Bundesrechnungshof eine Festschrift. Viel spannender ist allerdings die Ausstellung im Bundesrechnungshof. Ein Ausflug dorthin lohnt sich. Als Moderatorin einer Bonner XING-Gruppe begleitete ich eine Gruppe Interessierter zu einem Besuch und einer Führung im Bundesrechnungshof. Am Ende wusste ich auch, was mit den Hof-Berichten gemeint war.

Vielleicht gehe ich noch einmal hin. 300 Jahre Finanzgeschichte zum Anschauen, Anhören und Anfassen.  Sie werden staunen, wenn Sie hier durch 300 Jahre Geschichte und Finanzgeschichte wandern, was es über Finanzen und Finanzkontrolle alles zu erfahren gibt. Was geschah in drei Jahrhunderten? Wie wurden in Deutschland und seinen Kolonien Zahlen und Ausgaben erhoben? Wie wurde gerechnet und kontrolliert, welche Utensilien wurden benutzt?

Die Jubiläums-Ausstellung beim Bundesrechnungshof in der Adenauerallee in Bonn ist kostenfrei. Sie ist in Bonn noch bis zum 11. Januar 2015 geöffnet, von Montag bis Freitag 10.00 –15.00 Uhr. Bei Voranmeldung erhalten Sie auch eine Führung.

Ob Friedrich Wilhelm I. auch im WCCB feiern würde?

Der Festakt zum Jubiläum am 18. November 2014 mit in- und ausländischen Gästen wird im World Conference Center in Bonn stattfinden. Dies entbehrt nicht einer gewissen Ironie, glänzte doch gerade das WCCB in den letzten Jahren nicht gerade durch sparsamen und wirtschaftlichen Umgang mit Geldern. Nun ja, es waren ja nicht bzw. nur wenig echte staatliche Finanzen, das Grundstück und die Gelder kamen vom Land, von der Kommune, von Banken, von echten und falschen Investoren. Außerdem findet die Festveranstaltung nicht im skandalträchtigen Erweiterungsbau, sondern im ehemaligen Plenarsaal des Deutschen Bundestages statt. Dennoch: Friedrich Wilhelm I. würde sich im Grabe umdrehen, wüsste er von der Entstehungs- und Finanzierungsgeschichte des WCCB.