Faszination Eifel: Besuch im Römerbergwerk Meurin

Salve! Am Eingang zum Römerbergwerk Meurin bei Kretz in der Eifel steht ein geharnischter Legionär. Mit hohlen Augen schaut er ins Leere. Er ist tot, hier steht nur seine metallene Hülle und seine Ausrüstung.

Willkommensplakat am Eingang des Römerbergwerks

Willkommen im Römerbergwerk

Ganz schön clever, die Römer

Die Römer vor zweitausend Jahren sind ganz schön clever. Sie bauen Wasserleitungen, Brücken, Fußbodenheizungen, nutzen Wassertoiletten, haben Kalt-und-Warm-Mischwasserhähne und Bratpfannen mit einklappbaren Stielen. Das ist schlau, denn bei jedem Ortswechsel müssen die Legionäre ihre Rüstung, ihr Geschirr und ihr persönliches Gepäck mitschleppen. Hier in der Osteifel bei Kretz halten sie sich aber ziemlich lange auf. Der Grund dafür liegt im Untergrund, im Gestein.

Die Legionäre und die Handwerker und Baumeister im Gefolge bringen erstaunliche Techniken mit nach Germanien: Steinsägen, Hebekräne, Schreiner- und Drechselmaschinen, Getreide- und Ölmühlen, Backöfen, Töpfereien und Schmieden. Sie bauen Badeanstalten, nutzen das Mineral- und Thermalwasser, kochen mit Olivenöl und trinken Wein. Ihr Essen besteht zu einem großen Teil aus Getreide, Mehl und Hülsenfrüchten.

Das Baumaterial für Köln und Xanten kommt aus der Eifel

Die römischen Architekten und Ingenieure benötigen für ihre Bauvorhaben in Köln und Xanthen Baumaterial. Und das finden sie reichlich in der Eifel. So reichlich, dass sie damit auch einen regen Handel betreiben.

Das Baumaterial stammt von den Eifel-Vulkanen: Basalt für harte und stabile Bauten und für Getreidemühlen. Trass, der sich in gemahlener Form gut als Mörtel eignet und Tuffsteine für die repräsentativeren Gebäude. Tuffsteine kennen die Römer schon von zuhause. Nur Marmor und Quarzsand gibt es hier nicht, den müssen sie von anderswo beschaffen.

Ein Römerbergwerk mit Fördertechnik und Bewetterung

Woher ich das alles weiß? Na aus der Eifel. Die Eifel ist voller römischer Spuren. Gebäudereste, Steinreliefs, Eifelwasserleitung, römische Grabmäler und Bergwerke. Was im Tagebau möglich ist, bauen die Römer über Tage ab. Für den begehrten und tiefer liegenden Tuffstein bauen sie auch richtige Bergwerke mit Stollen, Fördertechnik und Bewetterung. So wie bei Kretz im Landkreis Mayen-Koblenz. Die Tuffsteinschicht, die die Römer hier vor 2.000 Jahren entdecken, ist mehrere Meter dick und stammt wahrscheinlich von der gewaltigen Explosion des Laacher-See-Vulkans.

So manches an römischem Know-how und Handwerkskunst integrieren die Eifel-Bewohner in ihr Leben. Viele der römischen Errungenschaften und Spuren geraten allerdings nach dem Abzug der Römer in Vergessenheit oder werden zerstört. So auch die Tuffstein-Bergwerke. Erst im 19. und 20. Jahrhundert entdeckt man beim modernen Trass- und Bimsabbau die Stollen der Römer wieder und stellt fest, dass große Geländeabschnitte kilometerweit durch unterirdische Gänge regelrecht unterkellert sind. Auch auf dem Gelände der Trassgrube Meurin bei Kretz tauchen unter dem Bims die alten unterirdischen Gänge auf. Heute steht hier ein Erlebnisbergwerk für Besucher.

Römischer Baukran im Römerbergwerk Meurin, Foto: Angelika Albrecht

Römischer Baukran

Antike Technikwelt: Arbeit und Leben der Römer

Wenn Sie das Museum betreten, stehen Sie in einem überdachten Grabungsbereich. Die Pfade, die heute an der Oberfläche sind, waren zu römischer Zeit dunkle, enge Gänge untertage, nur erleuchtet durch eine schwache Funzel. Heute, hell und fast an der Oberfläche ist es einfacher. Sie gehen durch die stabilisierten Stollen und Gänge und erleben hautnah den ausgeklügelten, aber sehr mühsamen Steinabbau.

Getreide mahlen, Holz bearbeiten und Marmor sägen

Versetzen Sie sich einmal gedanklich in das Leben und Arbeiten in einem solchen Bergwerk. Sie erkennen schnell: Es ist eine logistische Herausforderung. Das Material muss gefördert und transportiert werden, man braucht Seilzüge und Bewetterungsschächte, ebenso Geräte und Maschinen. Diese müssen gebaut und repariert werden. Die untertage arbeitenden Bergleute brauchen Sicherheit und Luft zum Atmen und sie müssen auch essen und leben.

Römische Getreidemühle im Römerbergwerk Meurin, Foto: Angelika Albrecht

Getreidemühle

All dies ist hier sehr schön dargestellt. Sowohl die Abläufe untertage wie die Technikwelt übertage. Mit den hier gefundenen Baumaterialien und Werkzeugen und mit weiteren Geräten und Gegenständen von anderen Fundorten sind im Außenbereich des Museums Stationen des täglichen römischen Lager- und Bergwerks-Lebens nachgebaut. Sie finden hier eine antike Bäckerei mit mehreren unterschiedlichen Getreidemühlen, eine Schmiede, eine Steinmetzhütte, eine römische Krananlage und zahlreiche Maschinen zur Gesteinsbearbeitung. Sie tauchen in eine antike Technikwelt aus der Zeit des Kaisers Augustus ein. Alles ist zum Anfassen und Mitmachen. Kinder haben meist großen Spaß an den Rundmühlen und am Schmieden von Eisen.

Mein Tipp: Nehmen Sie an einer Führung teil. Sie erfahren viel über das tägliche Römerleben und unterhaltsam ist es auch. Wer einmal selbst versucht hat, mit Steinen Getreide zu quetschen oder zu mahlen, merkt wie mühsam das ist.

Aussenansicht des Römerbergwerks Meurin bei Kretz

Das Römerbergwerk

Das Römerbergwerk ist ein wenig versteckt. Die Abzweigung von der Straße ist sehr dezent angebracht. Ich bin beim ersten Mal daran vorbeigefahren. Der Feldweg führt zu einem Waldparkplatz. Von hier geht es zu Fuß weiter. Sie wandern etwa 300 Meter durch den Wald und stehen dann vor dem Eingang. Und hier treffen Sie auch den eingangs erwähnten Legionär.